Panama intern

Warum wir in Panama gendern

17. Februar 2022

Als Teil der Marketing- und Medienbranche kennen wir die Wirkung von Sprache und sprachlicher Nuancierung. Sie bestimmt unsere Wahrnehmung von Realität, und sie manifestiert soziale Realitäten. Gendergerechte Sprache macht Frauen und Diverse sichtbarer. So können wir einen Beitrag leisten, Geschlechterstereotype abzubauen und die Gleichberechtigung voranzutreiben.

Nichts geht über die Wissenschaft

Frauen sind bei der Verwendung des generischen Maskulinums zwar per Definition mitgemeint, doch werden sie nicht mitgedacht. Die Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung. Wird von Ärzten, Lehrern und Polizisten gesprochen, denken die meisten vor allem an Männer. Dieser Male-Bias ist auch wissenschaftlich belegt. Werden zum Beispiel Personen danach gefragt, berühmte Musiker oder Schriftsteller zu nennen, werden signifikant mehr Männer genannt, als wenn nach Musiker und Musikerinnen oder Schriftstellern und Schriftstellerinnen gefragt wird.

Auch bewerben sich weniger Frauen auf Stellenanzeigen, die im generischen Maskulinum formuliert sind. Umgekehrt werden Frauen seltener eingestellt, bei gleicher Qualifikation, wenn die Stellenanzeige männlich formuliert ist. Eine Studie zeigte, dass die Personen in diesem Fall die weiblichen Bewerberinnen als weniger passend für einen Job einschätzten als die männlichen Bewerber.

Darüber hinaus kann Gendern einen positiven Einfluss auf die Unternehmensziele haben. So verfügen diversere Teams über eine höhere Innovations- und Anpassungsfähigkeit. Dies lässt sich in Kosteneinsparungen und Umsatzsteigerungen messen.

Im Marketing ist es dabei besonders wichtig, alle potenziellen Kund*innen anzusprechen und niemanden unbewusst auszuschließen. Außerdem geht die weitere Verwendung des generischen Maskulinums immer mehr mit einem Reputationsrisiko einher, da Unternehmen öfter mit Gegenwind von Feminist*innen und zum Beispiel einem Shitstorm in Social Media rechnen müssen.

Gendern? Ja, aber wie?

In der konkreten Umsetzung ist für Unternehmen vor allem eins wichtig: Einheitlichkeit.

Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten, eine gendergerechte Sprache umzusetzen: die Paarform (Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter), die Neutralisierung (Mitarbeitende) oder eine orthografische Variante (Mitarbeiter*innen; Mitarbeiter_innen; Mitarbeiter:innen). Die Varianten haben alle Vor- und Nachteile, sodass jedes Unternehmen selbst entscheiden muss, welche Variante sie bevorzugen und umsetzen möchten.

Nachdem eine klare Entscheidung getroffen wurde, sollte ein Gender-Leitfaden sowie niederschwelliges Informationsmaterial und Vorlagen für die Mitarbeiter*innen erstellt werden. Außerdem sollten Mitarbeiter*innen festgelegt werden, die ihre Kolleg*innen in schwierigen Fällen unterstützen und fortbilden. Wichtig ist es, alle im Unternehmen mitzunehmen und für das Thema zu sensibilisieren. Gendergerechte Sprache kann nicht allein in der Marketingabteilung durchgesetzt werden, sondern muss grundlegend in dem Unternehmen verortet sein. Im Sinne der Einheitlichkeit sollte zudem nicht nur die Sprache inklusiv sein, sondern auch die Bildwelt eine Diversität abbilden.

Dabei sind Veränderungen natürlich erst mal mit Aufwand verbunden und auch unter den Mitarbeiter*innen kann es zu Reaktanz kommen. Um dies möglichst zu vermeiden, ist es essenziell, die Führungsebene einzubeziehen und den Nutzen und die Vorteile gendergerechter Sprache zu kommunizieren. Die Botschaft sollte deutlich aufzeigen, dass eine Verwendung von allein der männlichen Form nicht mehr angemessen und zeitgerecht ist.

Jetzt handeln und gendern!

Die (nachweisbare) Erkenntnis, dass Sprache das Bewusstsein und somit auch das Bild von einer Gesellschaft prägt, lässt uns handeln. Es macht einen Unterschied, ob man von „Hausärzten“ oder „Hausärzt*innen“ spricht, es entstehen vor dem gedanklichen, inneren Auge zwei unterschiedliche Bilder. Aus unserer Sicht ist es daher wichtig, ein Bewusstsein für die eigene Vorbildfunktion (für Mitarbeitende, teilweise auch Kunden und in der Gesellschaft), die eigene Sensibilisierung für Sprache und (Zielgruppen-)Kommunikation, sowie die gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu schaffen.

Laut dem Weltwirtschaftsforum dauert es noch ungefähr 53 Jahre, bis in Westeuropa eine Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern besteht, bis zur Gleichberechtigung weltweit sind es noch 136 Jahre. Diese Tatsache allein, sollte Grund genug sein, die Debatten über das Gendern hinter uns zu lassen und ins Handeln zu kommen!

Leonie Lorenzen

Junior Beraterin

Linda Minge

Etatdirektorin

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